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IZ: Markus Greitemann geht in den Ruhestand
Mit dem Eintritt in den Ruhestand endet die Amtszeit von Kölns Baudezernent Markus Greitemann. In einem bemerkenswert offenen Interview mit IZ-Redakteurin Corinna Schulz blickte Greitemann auf acht bewegte Jahre im Amt zurück – geprägt von großen Investitionen, tiefgreifenden Krisen und dem Versuch, die Stadtverwaltung moderner und effizienter aufzustellen.
Greitemann räumte im Interview mit der Immobilienzeitung (Ausgabe vom 7. Mai 2026) selbstkritisch ein, dass nicht alles gelungen sei und manches besser hätte laufen können. Zugleich machte er deutlich, unter welch‘ außergewöhnlichen Bedingungen die Verwaltung in den vergangenen Jahren gearbeitet habe. Von den acht Jahren seiner Amtszeit seien dreieinhalb Jahre vom Krisenmodus bestimmt gewesen – zunächst durch die Corona-Pandemie, später durch die Auswirkungen des Ukraine-Krieges. „Alle zwei Tage Krisensitzungen“ hätten erhebliche Gestaltungsspielräume genommen.
Trotz dieser Herausforderungen zieht Greitemann insbesondere beim Schulbau eine positive Bilanz. Seit 2018 wurden nach seinen Angaben 55 Schulbauprojekte fertiggestellt, weitere 15 Übergaben sind noch für dieses Jahr vorgesehen. Insgesamt investierte die Stadt Köln rund 2,4 Milliarden Euro in diesen Bereich. Damit nehme Köln bundesweit eine Spitzenposition ein.
Auch die Neuaufstellung der großen Kulturbauprojekte bewertet Greitemann als wichtigen Erfolg seiner Amtszeit. Insbesondere die Sanierung der Oper sei wieder strukturiert und vorangebracht worden, sodass die Wiedereröffnung im September dieses Jahres möglich werde. Ebenso zeigte er sich zufrieden darüber, dass das Wallraf-Richartz-Museum fertiggestellt werde.
Ein besonderes Anliegen war Greitemann nach eigenen Worten die Modernisierung der Verwaltungsstrukturen. Projekt- und Prozessmanagement seien eingeführt sowie das Baugenehmigungsverfahren vollständig digitalisiert worden. Zudem hob er die Arbeit der Wohnungsbauleitstelle hervor, die bei Investoren auf positive Resonanz stoße. „Ich kann also in Ruhe gehen, weil ich weiß, dass die Dinge nun effizient funktionieren können“, erklärte Greitemann.
Gleichzeitig sprach er offen über Enttäuschungen seiner Amtszeit. Besonders bedauere er, dass die „Historische Mitte“ nicht realisiert werde. Noch schwerer wiege jedoch, dass der Wohnungsbau trotz gemeinsamer Anstrengungen von Verwaltung, Politik und Wohnungswirtschaft nicht den notwendigen Schwung entwickelt habe. Die gesetzten Ziele seien bei weitem nicht erreicht worden. Bis 2019 habe die Stadt noch rund 5.400 Baugenehmigungen jährlich erteilt. Danach hätten Pandemie, Krieg, steigende Zinsen und explodierende Baukosten zu einem massiven Markteinbruch geführt. Zugleich kritisierte Greitemann die weiterhin hohe Komplexität der Genehmigungsverfahren. Zwar liege Köln inzwischen bei durchschnittlich sieben Monaten Bearbeitungszeit für Baugenehmigungen, doch auch dies sei aus seiner Sicht noch zu lang. Ziel müsse ein Verfahren von unter sechs Monaten sein.
Darüber hinaus sprach sich Greitemann für einen umfassenden Bürokratieabbau aus. Bund, Land und Kommunen müssten Vorschriften und Auflagen deutlich reduzieren. Auch die zunehmenden Blockaden durch Einzelinteressen und langwierige Beteiligungsverfahren bewertete er kritisch. Ständige Verzögerungen und juristische Auseinandersetzungen schadeten nicht nur einzelnen Projekten, sondern gefährdeten aus seiner Sicht auch das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates.
Zum Abschied richtete Greitemann persönliche Worte an seinen Nachfolger Andree Haack: „Mach es besser als ich – und das ist positiv gemeint.“ Er empfahl ihm, die geschaffenen Strukturen zu nutzen, den Mitarbeitenden Vertrauen zu schenken, mutig zu bleiben und eine klare Linie zu verfolgen.